Mittwoch, 29. Dezember 2004

Selten einer Richterin so zugestimmt!

"Für solche Folgen gibt es keine gerechte Strafe", sagte die Richterin zum verurteilten LKW - Fahrer, hier die Details:

Wegen fahrlässiger Tötung in vier Fällen hat das Landgericht Würzburg am Donnerstag einen Tiroler Lastwagenfahrer zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Nach Auffassung des Gerichts war der Lastwagenfahrer im August auf der Autobahn A3 Nürnberg - Frankfurt bei Geiselwind wegen Übermüdung mit 80 Stundenkilometern ungebremst in ein Stauende gerast. Dabei wurde das Auto einer Familie aus Solingen regelrecht zerquetscht. Das Ehepaar und ihre fünf Jahre und fünf Monate alten Töchter starben in den Trümmern.


Neben der obigen Aussage, stellte Richterin Barbara Landgraf noch fest, dass "den Lastwagenfahrer ein massives Verschulden treffe, weil er nicht angehalten habe, als er müde geworden sei.".

Sie schloss sich aber trotzdem nicht der Forderung der Staatsanwaltschaft an, die 2 Jahre und 3 Monate ohne Bewährung gefordert hatte.

Zumindestens geht der 47-jährige gebürtige Innsbrucker nun mit gutem Beispiel voran und erklärte, dass "er nicht mehr als Lastwagenfahrer arbeiten und sich einen neuen Job suchen werde." Ein Anfang, aber leider zu spät um das zu verhindern:

Der Mann war zum Zeitpunkt des Unglücks nach 2:00 Uhr schon rund 18 Stunden ohne Schlaf auf den Beinen. Eine Autofahrerin hatte vor Gericht ausgesagt, dass der Sattelzug vor dem Unfall schon in leichten Schlangenlinien gefahren sei.

Laut einem Gutachten hatte der Lastwagenfahrer 20 Sekunden lang nicht reagiert und war erst eineinhalb Sekunden vor dem Aufprall auf die Bremse getreten. Sein Sattelzug und das am Stauende stehende Auto der Familie hatten sich verkeilt und waren eine Böschung hinabgestürzt. Die Opfer waren teilweise bis zur Unkenntlichkeit verbrannt und entstellt.

Ansichtssache, oder?!

Klar, man hat von solchen Fällen immer mal wieder gehört und darüber nur den Kopf geschüttelt, aber offensichtlich gibt es sie wirklich, die Totalverweigerer:"Das Wort 'Schule' ist für uns ein problematischer Begriff", sagt Gabriele Kirchner. Lehrpläne seien gemacht, um Kinder zu kontrollieren, und "das lehnen wir ab, Kontrolle ist Demütigung". Vor acht Monaten gründete Kirchner mit vier anderen Familien auf eigene Rechnung das "Katzenhäusle". Hier gibt es keinen Stundenplan, keine Unterrichtsfächer, nicht einmal Lehrer. Es gibt das Haus, den Wald, den Garten - was die Kinder darin machen, bleibt ihnen selbst überlassen.Na viel Spaß!

Klar es gibt Alternativen, das Ausland praktiziert diese ja auch:In einigen EU-Ländern gibt es statt der Schulpflicht eine Unterrichtspflicht. In Belgien, Großbritannien oder Frankreich können Eltern ihre Kinder deshalb entweder zur Schule schicken oder sie selbst unterrichten. Aber: Alle müssen staatliche Prüfungen bestehen. In Österreich schreiben Schüler, die nicht zur Schule gehen, jährlich staatliche Tests. In Deutschland jedoch gilt eigentlich: Wer nicht zur Schule geht, bekommt keinen Abschluss.Über derlei Dinge kann man nachdenken, die sollte man nicht von vorneherein ablehnen, aber wenn ich sowas lese, kommt es mir wirklich hoch:Karen Kern aus Deggenhausertal hat sich für Zoff mit den Behörden entschieden. Ihre drei Söhne gehen ins "Katzenhäusle". Ihr ältester Sohn war in der regulären Schule zum Außenseiter geworden, weil er keine Hausaufgaben mehr machen wollte. Er sei dafür "an die Wand gestellt" worden, klagt Karin Kern.Aber ohne Gewehr im Anschlag, ja?!

Wieviele Kinder haben in diesem Land mal "keinen Bock" auf Hausaufgaben?! Nehmen deshalb alle Eltern direkt ihr "armes, gepeinigtes" Kind von der Schule?!

Aber Frau Kern hat noch mehr mitzuteilen:Ihr zweiter Sohn befand das Schulklima als "menschenunwürdig"."Menschenunwürdig"?! Ach, solche Kinder verklagen auch ihre Eltern, weil sie mal kein Fernsehen schauen dürfen, oder eine Ohrfeige bekommen, ja?!Kinder sollten so lernen, wie sie wollen, meint sie - und nahm ihre Söhne aus der Staatsschule heraus, ließ sie zunächst zwei Jahre einfach zu Hause. Dort hätten die Kinder "für sich gelernt", sagt die Mutter. "Wir haben viele Ausflüge mit den Jungs gemacht."Und Töpfer- und Batikkurse natürlich auch, oder?!Mit dem zuständigen Landratsamt liegen die Kerns im Clinch, die Beamten verhängten 900 Euro Bußgeld. "Die Schulpflicht steht gegen das Grundgesetz", konterte Karen Kern und zog mit dieser Überzeugung vor das Bundesverfassungsgericht - das die Klage vor zwei Monaten nicht einmal zuließ.Mit Recht!Egal, sagt Kern, "dann gehen wir eben zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte".Und wenn das nicht reicht vor die UNO, oder das jüngste Gericht! Denn schließlich ist Frau Kern ja eindeutig im Recht - der Rest der Welt will das nur einfach nicht verstehen!Das Bußgeld kann sie ebenso wenig schocken wie die Drohung, dass ihre Söhne von der Polizei jeden Tag zur Staatsschule chauffiert werden sollen. "Die können doch keinen Fahrdienst einrichten. Das wäre viel zu teuer."Abwarten, ich würde dafür gerne 10,- Euro spenden und zwar hier...

Auch nicht schlecht ist dieses Beispiel:Maria S. aus einem Ort in Mecklenburg-Vorpommern griff zu kriminellen Mitteln, um ihre 16-jährige Tochter vor der Schulpflicht zu verschonen. Sie machte einen Deal mit einer Alternativschule. Pro forma meldete sie ihr Kind dort an, zum Unterricht erschienen ist das Mädchen bis heute nicht. Und als die Schulakte eintraf, ließ Maria S. das Dokument mit dem Wissen der Alternativschule verschwinden. Seitdem hat sie nichts mehr vom Schulamt gehört.

Ihr Kind sei eben "im Moment nicht an naturwissenschaftlichen Fächern interessiert", begründet die Mutter ihr rabiates Vorgehen - dass sie dem Mädchen damit Zukunftschancen verbaut, mag sie nicht einsehen. Das Kind wolle ohnehin Artistin werden.
Da fragt man sich dann wirklich, wieso es für alles in Deutschland eine Prüfung und einen Ausweis gibt, nur nicht für Eltern!

Fußballer und der Rest...

Michael Ballack hat offensichtlich vielen seiner Berufskollegen eines vorraus, nämlich die Nuhr-Grundregel:"Ich habe zu vielen Dingen eine Meinung, auch zu solchen, bei denen ich mich - ehrlich gesagt - nicht so gut auskenne. In diesen Fällen ziehe ich es vor zu schweigen, weil ich weiß, dass meine Meinung in der Öffentlichkeit wahrgenommen und auch ernst genommen werden würde."Macht in direkt nochmal eine Ecke sympathischer...
;-)

Wortakrobat # 98

Wortakrobat des Tages:

Friedhelm Funkel

"Wir dürfen nicht mehr Tore kassieren als der Gegner schießt."

Friedhelm Funkel