Die USA unter Bush

sind offenbar zum Alltag geworden. Ganz und gar nicht alltäglich sollte ein aktueller Prozess werden:

Judith Miller, Starreporterin der "New York Times", sitzt seit gestern in Beugehaft, weil sie sich weigert, ihre Informanten preiszugeben. Damit eskaliert die Konfrontation zwischen dem Weißen Haus und den US-Medien. Journalistenverbände und Bürgerrechtler fürchten um die Pressefreiheit in den USA.

Ist schon klar, dass die Pressefreiheit nur solange gern gesehen ist, wie sie die eigenen Dunstkreise nicht stört...

Besser lässt sich der Wandel des Zeitgeistes in den USA kaum illustrieren: Miller muss ins Gefängnis für etwas, wofür Woodward einst als Held gefeiert wurde. Wie es dazu kam, ist ein Polit- und Justizkrimi, wie ihn Washington eben seit jenen Watergate-Tagen nicht erlebt hat.

Na dann laßt mal hören!

Januar 2003: Zur Einstimmung auf den Irak-Krieg hält US-Präsident George W. Bush eine Rede zur Lage an die Nation, samt dieser seither widerlegten Passage: "Die britische Regierung hat herausgefunden, dass Saddam Hussein kürzlich versuchte, sich aus Afrika signifikante Mengen an Uran zu beschaffen." Ein halbes Jahr später kritisiert Joseph Wilson, Ex-Botschafter im Irak, diese Behauptung in der "New York Times" als "Manipulation": Er sei den Uran-Gerüchten schon 2002 für die CIA nachgegangen und habe sie als Ente enttarnt.

Eine Woche später outet der erzkonservative Kolumnist Robert Novak die Ehefrau Wilsons, Valerie Plame, als Undercoveragentin der CIA - quasi im Nebensatz. Novak behauptet, "zwei hohe Regierungsbeamte" hätten ihm Plames Geheimidentität gesteckt. Plames CIA-Karriere ist damit zerstört, auch ihre persönliche Sicherheit ist gefährdet. Wilson spricht von einem "Racheakt" aus dem Dunstkreis Bushs.


Quatsch, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, sowas würden die Bush's niemals machen...

Doch wer Agenten verrät, macht sich in den USA strafbar. Also beruft Bush unter Druck schließlich einen Sonderermittler, der herausfinden möge, wer Plames Doppelleben ausplauderte. Dazu wird der Staatsanwalt Patrick Fitzgerald bestallt, ein als unabhängig geltender Jurist.

Nicht das schlimmste...

Fitzgerald findet heraus, dass mindestens sechs Journalisten über Plames CIA-Cover informiert wurden - von Kanälen aus dem West Wing, dem Nervenzentrum des Weißen Hauses. Die meisten legen ihre Quellen offen. Nur Cooper und Miller - die nie etwas darüber schrieb - verweigern die Aussage, sich auf den Quellenschutz berufend: "Solcher Schutz ist maßgebend für den freien Informationsfluss in einer Demokratie", verteidigt sich Miller.

Allerdings!

Das Bundesgericht in Washington sieht das anders.

Wer hat dessen Richter nochmal berufen?!

Es verurteilt die beiden im vorigen Oktober zu Beugehaft und brummt "Time" und der "New York Times" empfindliche Geldstrafen auf: Das "Interesse der Gesellschaft an Strafverfolgung" sei höher als ein Ehrenkodex.

Interessant!

Spätestens damit nimmt der Fall eine bizarre Wendung. Nicht mehr potenzielle Straftäter im Weißen Haus stehen nun im Visier der Justiz - sondern zwei Reporter, die mit der Affäre nur indirekt zu tun haben. Nur Novak, der willige Handlanger, bleibt unbehelligt.

Bestimmt alles nur Zufall!

Miller und Cooper legen Berufung gegen die Beugehaft ein, ziehen bis vor den Supreme Court, wo sie auf Verfassungsschutz pochen. Der lehnt es Ende Juni aber ohne Begründung ab, sich der Sache anzunehmen, lässt das Beugehaft-Urteil damit stehen - obwohl sich nicht nur alle namhaften US-Medien für die zwei Kollegen verwenden, sondern auch die Justizministerien von 34 US-Bundesstaaten sowie die Justizbehörden von Washington.

Was zählt das schon, wenn man ein bestimmtes Ziel verfolgt?!

Zum Glück, sind es nur noch 3 Jahre unter Dabbel Ju und wollen wir beten, dass nicht auch noch sein Südstaaten-Bruder 2008 antritt!