Deutsche im Urlaub!
Wie schon mehrfach angedeutet, komme ich jetzt endlich zu meinem Lieblingsthema: Deutsche im Ausland/Urlaub!
Ganz davon abgesehen, dass ich keine Lust habe über 6.000 km durch die Luft und nach Kanada zu fliegen, um dann immer wieder die (meine) deutsche Sprache in den unterschiedlichsten Dialekten zu hören, sind es dann zumeist auch noch die anstrengenden Ausgaben meiner Landsleute!
Die ersten Deutschen trafen wir bei Alamo, die dort ebenfalls ihren Leihwagen abholen wollten. Auch diese beiden hatten es mit Miguel zu tun und dummerweise ging während der Wartezeit der mit dem besseren englischen Wortschatz vor die Tür...
Der andere wurde von Miguel angesprochen ("Can I help you?") und entgegnete:
"I'm waiting for mein Freund!"
Die nächsten Deutschen an die ich mich erinnere, liefen uns in Ottawa in der Hotelbar des Delta über den Weg...
Während wir uns in eine der großzügig geschnittenen Polsterecken verzogen, saßen uns vier Mitt-Vierziger bis Fünfziger gegenüber (natürlich achteten wir wie immer im Ausland darauf, nur leise und kaum hörbar über andere zu lästern *fg*) - soweit passierte nichts Schlimmes, bis man die Rechung haben wollte...
Man rief die Bedienung (nein, nicht mit "Frööulein"...) und die auch hier unbegabteste schmetterte los: "ICH MÖÖCHTE GÄRNE DIE RÄCHNUNG HABÄN - ALLLE ZUUSAMMEN!" - dabei überstieg die Lautstärke deutlich das normale Geräuschniveau und die Betonung jedes einzelnen Buchstabens brachte die, der deutschen Sprache überraschenderweise völlig unfähigen, Kellnerin nur zu einem verwirrten: "What??"
Einer der vier Ahnungslosen sprang seiner Tischnachbarin zur Hilfe: "The bell, please!"
Knapp daneben ist auch vorbei...
Damit aber noch nicht genug der Schenkelklopfer, platzierten sich doch kurz vor Ende unseres Bar-Aufenthaltes noch fünf weitere muntere Musikantenstadl-Konsumenten in die Sofa-Ecke neben uns - Platz war nur für vier, uns war klar was kommen musste...
Nachdem wir beide komplett verstummt waren und ich aus den Augenwinkel ein erstes Zucken und Blinzeln nach einem unserer überflüssigen Stühle sah, nahm sich eine ein Herz und fragte mich in der inzwischen mehrheitlich vertretenen Sprache:
"Is this Stuhl free?"
Sekundenbruchteile rang ich mit mir ihr ein donnerndes "Ja sischer datt!" entgegenzuschmettern - ich konnte mich zusammenreissen und nickte nur ebenso kurz wie zustimmend...
Ein weiteres Mal kam ich in den Genuss deutscher Gemütlichkeit als meine Frau und ich einem weiteren Höhepunkt entgegenfieberten - dem Whale-Watching in Tadoussac!
Für meine Frau ging mit dieser Reise ein Traum in Erfüllung, sie wollte immer mal nach Kanada und echte Wale sehen - in Tadoussac wurde dieser Traum nun Realität. Wir waren über 6.000 km geflogen und inzwischen schon fast 2.000 km mit dem Auto unterwegs - Moby Dick war ganz nah...
In dieser Grundstimmung trifft man dann in diesem kleinen Örtchen auf eine Gruppe reisender Deutsche, bestehend aus ca. 3-4 Paaren (60+), wo zum einen die Frauen und zum anderen die Männer eine Gruppe bilden, beide gegenseitig übereinander herziehen und sich die Stimmung, das Wetter, den Ort, ihre Ehe und überhaupt alles schlecht reden ("...wenn das so weitergeht...", "...was sollen wir überhaupt hier...", etc.)!
Jeder weiß, dass ich auch mal gerne motze, aber hier in Deutschland und zwar über Deutschland - auf einer Reise aber, in Übersee, wo ich Land und Leute in mich aufsauge, die Freiheit und den großen Abstand zu eben diesem Deutschland genieße, laufe ich sicherlich nicht mit 'ner Schnüzz durch die Gegend!
Besagte Deutsche stiegen tagsdrauf dann auch auf das größte Whale-Watching-Schiff am Platze, nicht ohne ihre Unlust deutlich zum Ausdruck zu bringen...
Damit mich übrigens niemand falsch versteht, von mir aus kann jeder dahin reisen wohin er möchte, nur denke ich, dass man zumindestens ansatzweise und grundlegend eine Fremdsprache wie Englisch verstehen und sprechen können sollte, wenn man in ein definitiv nicht deutschsprachiges Land reist, oder?
Ferner habe ich Verständniss dafür, dass vielleicht eine Generation, die (weit) älter ist als wir a) in der Schulzeit kein Englisch-Unterricht hatte und b) diese Sprache auch beruflich nicht zum Einsatz bringt, aber wieso, weshalb und warum fährt man dann in ein Land wie Kanada, wo man diese Sprache permanent benötigt, ganz zu schweigen von Quebec, wo man eigentlich zusätzlich noch Französisch benutzen muss??
Und das ist jetzt nur das Sprachenproblem, über die Verhaltensmuster von deutschen Touristen haben wir ja noch gar nicht gesprochen:
Eine Krönung ganz anderer Art erlebten wir nämlich in Montreal, als wir im Hotel "zur Abwechslung" mal auf deutsche Gäste trafen.
Auch dieses Hotel (wie fast alle in Kanada) hatte ein Frühstücksbuffet und stellte einen PC zur Verfügung zum kostenlosen Surfen!
Ich kann gut damit umgehen, wenn jemand in den Morgenstunden den Mund nicht aufkriegt (wer wüßte das besser als ich), bin ich doch selbst ein ausgesprochener Morgenmuffel, aber wir reden hier von einer Zeit zwischen 8:30 und 9:15 - zu dieser Zeit bin selbst ich schon ansprechbar und kommunikativ genug, um selbst im Ausland ein höfliches "Bonjour", "Merci" oder "Pardon" aus den Zähnen zu pressen!
Und selbst wenn man das alles nicht kann, sollte man doch zumindestens grundlegende soziale Kompetenzen von seinen Eltern mitbekommen haben, sich z.B. dafür zu entschuldigen, wenn man am Buffet einem anderen Gast (meiner Frau) im Weg steht und dieser Gast (meine Frau) beim Ausweichen (obwohl sie selbst ja nicht ausweichen müsste) fast ins Kamingeschirr stolpert, oder?
Jetzt war er deutlich älter als 12 (eher 38-40), aber man begann daran zu zweifeln, als wir im Laufe des Tages nur mal kurz unsere E-Mails und Blogs prüfen wollten und uns demzufolge zum PC des Hauses begaben.
Wer saß schon da?
Er und Sie...
Auf unserer Reise waren wir oft in der genau entgegengesetzten Situation am PC zu sitzen und hinter sich wartende andere Gäste zu bemerken. Ein normal entwickelter Mensch käme jetzt auf die Idee sich zu beeilen, evtl. auf ein paar Dinge zu verzichten und nur noch das nötigste im Internet zu erledigen - nicht so er!
Er ließ sich gar nicht von der Anwesenheit anderer Gäste stören (insgesamt warteten bis zu 6 Gäste hinter ihm), surfte in Ruhe weiter, ließ dann seine Frau an den Rechner, nicht ohne noch weitere Surfziele zu entdecken und sich nach seiner Frau selbst noch einmal vor den Bildschirm zu setzen, wobei seine Tippgeschwindigkeit sich zunehmend der Lichtgeschwindigkeit näherte...
Eine nach uns gekommene Französin wurde so wütend, dass die auf Französisch (und somit für meine Frau verständlich) deutlich hörbar über ihn fluchte!
Nicht alle Beschimpfungen will ich hier wiederholen, aber eine fasst es ganz gut zusammen:
"Immer wenn es irgendetwas umsonst gibt, verlieren manche Mensche völlig ihre Hemmungen!"
Noch Fragen, Kienzle?
Für mich als Deutscher ist das einfach nur peinlich und zwar für ihn mit!
Seiner Frau war das übrigens unangenehm, sprach sie ihn doch a) zwischendurch mal auf das Thema Aufhören an, als sie sah, wie viele andere Gäste hinter ihnen warteten und ließ sie ihn b) irgendwann einfach vorm PC sitzen und ging aufs Zimmer, weil die Situation ihr selbst zunehmend unwohler wurde - manche Männer sollten einfach mehr auf ihre Frau hören...
Ganz davon abgesehen, dass ich keine Lust habe über 6.000 km durch die Luft und nach Kanada zu fliegen, um dann immer wieder die (meine) deutsche Sprache in den unterschiedlichsten Dialekten zu hören, sind es dann zumeist auch noch die anstrengenden Ausgaben meiner Landsleute!
Die ersten Deutschen trafen wir bei Alamo, die dort ebenfalls ihren Leihwagen abholen wollten. Auch diese beiden hatten es mit Miguel zu tun und dummerweise ging während der Wartezeit der mit dem besseren englischen Wortschatz vor die Tür...
Der andere wurde von Miguel angesprochen ("Can I help you?") und entgegnete:
"I'm waiting for mein Freund!"
Die nächsten Deutschen an die ich mich erinnere, liefen uns in Ottawa in der Hotelbar des Delta über den Weg...
Während wir uns in eine der großzügig geschnittenen Polsterecken verzogen, saßen uns vier Mitt-Vierziger bis Fünfziger gegenüber (natürlich achteten wir wie immer im Ausland darauf, nur leise und kaum hörbar über andere zu lästern *fg*) - soweit passierte nichts Schlimmes, bis man die Rechung haben wollte...
Man rief die Bedienung (nein, nicht mit "Frööulein"...) und die auch hier unbegabteste schmetterte los: "ICH MÖÖCHTE GÄRNE DIE RÄCHNUNG HABÄN - ALLLE ZUUSAMMEN!" - dabei überstieg die Lautstärke deutlich das normale Geräuschniveau und die Betonung jedes einzelnen Buchstabens brachte die, der deutschen Sprache überraschenderweise völlig unfähigen, Kellnerin nur zu einem verwirrten: "What??"
Einer der vier Ahnungslosen sprang seiner Tischnachbarin zur Hilfe: "The bell, please!"
Knapp daneben ist auch vorbei...
Damit aber noch nicht genug der Schenkelklopfer, platzierten sich doch kurz vor Ende unseres Bar-Aufenthaltes noch fünf weitere muntere Musikantenstadl-Konsumenten in die Sofa-Ecke neben uns - Platz war nur für vier, uns war klar was kommen musste...
Nachdem wir beide komplett verstummt waren und ich aus den Augenwinkel ein erstes Zucken und Blinzeln nach einem unserer überflüssigen Stühle sah, nahm sich eine ein Herz und fragte mich in der inzwischen mehrheitlich vertretenen Sprache:
"Is this Stuhl free?"
Sekundenbruchteile rang ich mit mir ihr ein donnerndes "Ja sischer datt!" entgegenzuschmettern - ich konnte mich zusammenreissen und nickte nur ebenso kurz wie zustimmend...
Ein weiteres Mal kam ich in den Genuss deutscher Gemütlichkeit als meine Frau und ich einem weiteren Höhepunkt entgegenfieberten - dem Whale-Watching in Tadoussac!
Für meine Frau ging mit dieser Reise ein Traum in Erfüllung, sie wollte immer mal nach Kanada und echte Wale sehen - in Tadoussac wurde dieser Traum nun Realität. Wir waren über 6.000 km geflogen und inzwischen schon fast 2.000 km mit dem Auto unterwegs - Moby Dick war ganz nah...
In dieser Grundstimmung trifft man dann in diesem kleinen Örtchen auf eine Gruppe reisender Deutsche, bestehend aus ca. 3-4 Paaren (60+), wo zum einen die Frauen und zum anderen die Männer eine Gruppe bilden, beide gegenseitig übereinander herziehen und sich die Stimmung, das Wetter, den Ort, ihre Ehe und überhaupt alles schlecht reden ("...wenn das so weitergeht...", "...was sollen wir überhaupt hier...", etc.)!
Jeder weiß, dass ich auch mal gerne motze, aber hier in Deutschland und zwar über Deutschland - auf einer Reise aber, in Übersee, wo ich Land und Leute in mich aufsauge, die Freiheit und den großen Abstand zu eben diesem Deutschland genieße, laufe ich sicherlich nicht mit 'ner Schnüzz durch die Gegend!
Besagte Deutsche stiegen tagsdrauf dann auch auf das größte Whale-Watching-Schiff am Platze, nicht ohne ihre Unlust deutlich zum Ausdruck zu bringen...
Damit mich übrigens niemand falsch versteht, von mir aus kann jeder dahin reisen wohin er möchte, nur denke ich, dass man zumindestens ansatzweise und grundlegend eine Fremdsprache wie Englisch verstehen und sprechen können sollte, wenn man in ein definitiv nicht deutschsprachiges Land reist, oder?
Ferner habe ich Verständniss dafür, dass vielleicht eine Generation, die (weit) älter ist als wir a) in der Schulzeit kein Englisch-Unterricht hatte und b) diese Sprache auch beruflich nicht zum Einsatz bringt, aber wieso, weshalb und warum fährt man dann in ein Land wie Kanada, wo man diese Sprache permanent benötigt, ganz zu schweigen von Quebec, wo man eigentlich zusätzlich noch Französisch benutzen muss??
Und das ist jetzt nur das Sprachenproblem, über die Verhaltensmuster von deutschen Touristen haben wir ja noch gar nicht gesprochen:
Eine Krönung ganz anderer Art erlebten wir nämlich in Montreal, als wir im Hotel "zur Abwechslung" mal auf deutsche Gäste trafen.
Auch dieses Hotel (wie fast alle in Kanada) hatte ein Frühstücksbuffet und stellte einen PC zur Verfügung zum kostenlosen Surfen!
Ich kann gut damit umgehen, wenn jemand in den Morgenstunden den Mund nicht aufkriegt (wer wüßte das besser als ich), bin ich doch selbst ein ausgesprochener Morgenmuffel, aber wir reden hier von einer Zeit zwischen 8:30 und 9:15 - zu dieser Zeit bin selbst ich schon ansprechbar und kommunikativ genug, um selbst im Ausland ein höfliches "Bonjour", "Merci" oder "Pardon" aus den Zähnen zu pressen!
Und selbst wenn man das alles nicht kann, sollte man doch zumindestens grundlegende soziale Kompetenzen von seinen Eltern mitbekommen haben, sich z.B. dafür zu entschuldigen, wenn man am Buffet einem anderen Gast (meiner Frau) im Weg steht und dieser Gast (meine Frau) beim Ausweichen (obwohl sie selbst ja nicht ausweichen müsste) fast ins Kamingeschirr stolpert, oder?
Jetzt war er deutlich älter als 12 (eher 38-40), aber man begann daran zu zweifeln, als wir im Laufe des Tages nur mal kurz unsere E-Mails und Blogs prüfen wollten und uns demzufolge zum PC des Hauses begaben.
Wer saß schon da?
Er und Sie...
Auf unserer Reise waren wir oft in der genau entgegengesetzten Situation am PC zu sitzen und hinter sich wartende andere Gäste zu bemerken. Ein normal entwickelter Mensch käme jetzt auf die Idee sich zu beeilen, evtl. auf ein paar Dinge zu verzichten und nur noch das nötigste im Internet zu erledigen - nicht so er!
Er ließ sich gar nicht von der Anwesenheit anderer Gäste stören (insgesamt warteten bis zu 6 Gäste hinter ihm), surfte in Ruhe weiter, ließ dann seine Frau an den Rechner, nicht ohne noch weitere Surfziele zu entdecken und sich nach seiner Frau selbst noch einmal vor den Bildschirm zu setzen, wobei seine Tippgeschwindigkeit sich zunehmend der Lichtgeschwindigkeit näherte...
Eine nach uns gekommene Französin wurde so wütend, dass die auf Französisch (und somit für meine Frau verständlich) deutlich hörbar über ihn fluchte!
Nicht alle Beschimpfungen will ich hier wiederholen, aber eine fasst es ganz gut zusammen:
"Immer wenn es irgendetwas umsonst gibt, verlieren manche Mensche völlig ihre Hemmungen!"
Noch Fragen, Kienzle?
Für mich als Deutscher ist das einfach nur peinlich und zwar für ihn mit!
Seiner Frau war das übrigens unangenehm, sprach sie ihn doch a) zwischendurch mal auf das Thema Aufhören an, als sie sah, wie viele andere Gäste hinter ihnen warteten und ließ sie ihn b) irgendwann einfach vorm PC sitzen und ging aufs Zimmer, weil die Situation ihr selbst zunehmend unwohler wurde - manche Männer sollten einfach mehr auf ihre Frau hören...
Kanada - MythosBayern - 20. Okt, 19:15














